Hitlers Aufenthalt in der Wolfsschanze

Hitler zog mit seinem Gefolge am 24. Juni in die Wolfsschanze ein und hier verbrachte er mehr als 800 Tage. Im Jahr 1944 lebten hier mehr als 2000 Menschen, davon nur 20 Frauen (Eva Braun war nie in der Wolfsschanze).

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Die Innenräume der Wohnanlagen waren sehr bescheiden, jedoch funktionell eingerichtet. Kleine Arbeitszimmer waren meistens mit Tageslicht beleuchtet und die Wände mit Paneelen ausgelegt oder einfach nur weiß gestrichen. Zur Standardausstattung gehörten Holzschränke, Regale für Akten, Tische und Stühle. Der Großteil der Räumlichkeiten war mit Parkettböden verlegt.

 

 

Für den Führer begann jeder Arbeitstag mit dem Empfang der Frontmeldungen.
Zwischen 9.00 und 10.00 Uhr ging Hitler mit seinem Hund spazieren.

Dabei durfte er nicht gestört werden. Um ungefähr 10.30 begann er mit dem Durchsehen der Vormittagspost, die von Berlin per Flugzeug oder Zug gebracht wurde.

Um 12.00 Uhr fand die Mittagsbesprechung statt. Nach der Besprechung hatte Hitler Mittagessen. Bis zum September 1942 speiste der Führer im Kasino I, später jedoch in seinem Bunker. Die Anzahl der Besucher während der Mahlzeiten im Kasino, war bis auf die engsten Vertrauten Hitlers begrenzt.

Um 18.00 Uhr begann die sogenannte Abendbesprechung, die sich vor allem mit Problemen der Luftwaffe befasste. Diese Besprechung, die im Arbeitszimmer Hitlers abgehalten wurde, dauerte ungefähr eine Stunde.

Daten des Aufenthaltes Hitlers in der Wolfsschanze: 
24. Juni 1941 - 16. Juli 1942, 1. November 1942 - 7. November 1942, 23. November 1942 - 17. Februar 1943, 13. März 1943 - 19. März 1943, 9. Mai 1943 - 21. Mai 1943, 1. Juli 1943 - 18. Juli 1943, 20. Juli 1943 - 27. Februar 1944, 14 Juli 1944 - 20. November 1944

 

Localisierung und Bau

Die Entscheidung über den Bau der Wolfsschanze wurde im Herbst 1940 getroffen. Gründe für den Bestimmungsort gab es einige, u.a. die Nähe der sowjetischen Grenze. Dies hatte eine wichtige psychologische Bedeutung (Plan Barbarossa sah ein Angriff auf die UdSSR vor). Außerdem war Ostpreußen eines der am besten befestigten Gebiete im III. Reich. Hier befanden sich mehrere Festungen (Lötzen, Thorn, Memel, Pillau) und sogenannte verstärkte Gebiete mit Panzerschutzengräben, Barrikaden und Stacheldrähten. Das für das Quartier ausgesuchte Gebiet lag weit von Hauptverkehrswegen, in einem Mischwald, der das ganze Jahr über für natürlichen Schutz sorgte.

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Die im Osten liegenden großen Masurischen Seen sorgten noch zusätzlich für einen Schutz vor Landeinheiten. Die in vielen Reiseführern angegebene Zahl der Beschäftigten von 3000 bis 5000 scheint sehr untertrieben zu sein. Prof. F. Seidler berichtet in seiner Monographie über F. Todt, dass den Programmannahmen nach beim Bau des Hauptquartiers bei Rastenburg die vorgesehene Anzahl der Arbeiter bei 50000 lag (20, S. 352). Peter Hoffmann schreibt in einem Brief an den Author des vorliegenden Reiseführers, dass es am 20. Juli 1944 (der Tag des Attentats auf Hitler) nur 5000 Arbeiter im Quartier gab. Trotz der vielen Gerüchte, dass im Lager Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter arbeiteten, hat er keine Dokumente gefunden, die dies bestätigten.

 

Schutz und Tarnung

Für den Personenschutz Hitlers war der Reichssicherheitsdienst – RSD zuständig, deren Leiter SS-Brigadeführer Rattenhuber war. Der RSD war in 2 Gruppen eingeteilt, zu jeder gehörten 10 Kriminalfunktionäre und mehrere persönliche Leibwächter Hitlers. Die RSD-Funktionäre hatten den Befehl miteinander nicht zu verkehren und nur bei Notwendigkeit zu reden und durften nicht Hitlers Quartier betreten, außer in Ausnahmesituationen, wie die Überprüfung der Arbeiter im Gebäude. Wenn Hitler sich außerhalb seines Quartiers befand, musste sich der RSD-Funktionär in solcher Reichweite vom Führer halten, die es ermöglichte die sich Hitler nähernde Personen aufzuhalten, ohne ihn dabei zu stören.

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Für den Außenschutz der Anlage war der Führerbegleitbataillon verantwortlich. Er verfügte über Panzer, Flugabwehrkanone und schwere Waffen. Für die Sicherheit der Wolfsschanze sorgten auch Abhördienste, die die Aufgabe hatten, feindliche Flugzeuge in der Reichweite bis zu 100 km zu orten.

Mit der Tarnung der Wolfsschanze wurde eine spezialisierte Gärtnerfirma "Seidenspinner" aus Stuttgart beauftragt. Der Großteil der erbauten Gebäude besaß flache Dächer mit Vertiefungen von 10 bis 30 cm. Sie waren mit Erde gefüllt, in die man Sträucher einpflanzte, Grass säte und künstliche Bäume aufstellte. Auf den Kanten vieler Bunker befanden sich Metallbögen in Form eines verkehrten "U"s. Zwischen den Metallbögen und den daneben wachsenden Bäumen waren Tarnungsnetze gespannt. Aus der Vogelperspektive schaffte dies den Eindruck eines dichtbewachsenen Waldes. Die Effektivität der Tarnung wurde mit von einem Flugzeug aufgenommenen Photos gründlichst überprüft.

Unabhängig von visueller Maskierung wurde auch eine psychologische Tarnung eingesetzt, z.B. alle Arbeiter hatten in der Wolfsschanze einen zivilen Pass. Bis zum 21. Juni 1941 wurde der russische Linienflug zwischen Berlin und Moskau über der Wolfsschanze gestattet. So wollte man den Anschein erwecken, dass die im Wald erbauten Objekte keine wesentliche militärische Bedeutung haben.

 

Zerstörung der Wolfsschanze

Im Oktober 1944 gelangten die Einheiten der Roten Armee bis zur östlichen Grenze von Ostpreussen. Deshalb wurde am 20. November das Hauptquartier nach Zossen, in die Nähe von Berlin verlegt. Zwei Tage später wurde der Befehl über die Zerstörung der Wolfsschanze erteilt und in der Nacht vom 24. auf den 25. Jänner ausgeführt. Riesige Betonblöcke fliegen 20-30 Meter in die Luft.

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Zeitzeugen berichten, dass wegen der gewaltigen Explosion das Eis auf den nahliegenden Seen Moj und Siercze brach. Es wird angenommen, dass für die Sprengung eines Bunkers 8 Tonnen Dynamit verwendet wurden. Am 27. Jänner 1945 eroberten die Einheiten der sowjetischen Armee widerstandslos das Hauptquartier Hitlers.

Die Minenentschärfung dauerte bis zum Jahr 1955. Es wurden mehr als 54000 Minen gefunden. Es mussten dabei 72 ha Wald und 52 ha Land entmint werden. Die nach dem Krieg angesiedelten Bewohner Rastenburgs benutzten Baumaterialien, die während des Baus der Wolfsschanze nicht verwendet worden sind, für eigene Zwecke. Sie transportierten alle möglichen Materialen ab wie z. B.: Ziegelsteine, Stahl, Pflasterstein, Aluminiumleitungen, Rohre und Tarnnetze.

 

Die Verschwörung

Der immer länger andauernde Krieg gegen die Sowjetunion, die Misserfolge an der Ostfront, Probleme mit der Lebensmittelversorgung und auch die Bombardierungen der deutschen Städte seit dem Sommer 1942 führten zu pessimistischen Stimmungen in der deutschen Zivilbevölkerung. Nach der Niederlage bei Stalingrad schlugen sie in Resignation und schließlich in eine Form eines mehr oder weniger aktiven Wiederstandes um, den immer größere Kreisen der Bevölkerung unterstützten.

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SDie besten Chancen im Kampf gegen das Regime, hatten die höheren Offiziere der Wehrmacht, die zu einem passendem Zeitpunkt mit Hilfe der Armee den Umsturz Hitlers bewirken konnten. Die militärische Widerstandsgruppe wurde besonders aktiv nach der Kontaktaufnahme mit dem ehemaligen Bürgermeister von Leipzig Carl Friedrich Gördeler und dem General Ludwick Beck, dem führenden Widerstandsaktivisten sowohl in militärischen als auch zivilen Kreisen der Bevölkerung. Der Streit um den Ort, den Zeitpunkt und die Durchführung des Anschlages wurde durch die tragische Situation an der Front unterbrochen.

Am 4. Juni 1944 wurde Rom von den Allierten befreit und 2 Tage später landeten amerikanische und britische Truppen in der Normandie. Anfang Juli wurden große Gebiete der SU befreit und die Rote Armee erreichte Polen. Auf der politischen Ebene kam eine neue Person zum Vorschein: Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Er nahm das Risiko des Attentats und der Führung des Umsturzes auf sich. Der Sturz Hitlers und die Befreiung des Landes waren Teil des Plans Walküre, der eigentlich für die Unterdrückung eines möglichen Aufstandes unter den Zwangsarbeitern und Gefangenen in Deutschland gedacht war. Der von Hitler genehmigte Plan hatte eine legale Grundlage für einen militärischen Angriff. Mit der Hilfe der Landstreitkräfte unter der Führung von Stauffenberg, war die Übernahme des Regierungsviertels, des Propagandaministeriums, aller wichtigen Dienststellen, Presse- und Rundfunkeinrichtungen und die Festnahme von Parteifunktionären.

 

Das Attentat 20.07.1944

Am frühen Donnerstagmorgen des 20. Juli 1944 flog Oberst Graf von Stauffenberg zusammen mit seinem Adjutanten Oberleutnant von Haeften von Rangsdorf bei Berlin mit einer He 111 in die Wolfsschanze, wo das Flugzeug um 10:15 landete. Haeften führte in einer Aktentasche zwei von Oberst Wessel Freiherr von Freytag-Loringhoven beschaffte englische Ein-Kilogramm-Sprengstoffladungen mit lautlosen chemischen Zündern mit sich. Um 12:15 wollte Stauffenberg noch vor der Besprechung sich schnell erfrischen und umziehen und ihm wurde von John von Freyend ein Zimmer zur Verfügung gestellt.

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Stauffenberg begab sich schnell in das im zugewiesene Zimmer und aktivierte die Zeitzünder. Jeder der Sprengkörper besaß je einen chemischen Zünder englischer Produktion der auf 10 Minuten programmiert war. Das Aktivieren der Zünder war jedoch eine äußerst komplizierte und zeitraubende Arbeit. "Zuerst musste man die kupfernen Huelsen zerdrücken, in denen Säurekapseln verstaut waren. Die Säure zersetzte nach einiger Zeit Drähte, die die spiralförmigen Zünderbolzen anspannte. Durch eine Öffnung musste man feststellen ob die Zunderbolzen noch angespannt waren und weiters die Sicherung entfernen."

Wenige Minuten vor 12:30 ging Stauffenberg Richtung Besprechungsbaracke. Auf dem Weg dorthin wollte John von Freyend Stauffenberg die Tasche tragen helfen, ein Angebot das Stauffenberg sofort ablehnte. Jedoch kurz vor dem Eintreten in die Baracke, nahm er seine Hilfe an und bat ihn um einen Platz in der Nähe des Führers. Als sie eintraten, berichtete gerade General Heusinger über die Lage der deutschen Truppen an der Ostfront. Die Tasche mit der Bombe stand hinter dem rechten Tischbein ungefähr 2,5 bis 3 Meter von Hitler entfernt. Wegen eines dringenden Anrufes, verließ Stauffenberg das Zimmer, da sich die Telefonapparate im Nebenzimmer befanden. Auch Stauffenbergs Adjutant folgte ihm und im Moment als sie ins Auto stiegen, kam es zu einer gewaltigen Explosion.

Als sie den Ort des Geschehens verliessen, waren nur eine über der Baracke schwebende Rauchwolke, herumfliegende Papiere und viele Verwundete, denen es gelang die Baracke zu verlassen, zu sehen. Das verlassen der Zone 1 war für Stauffenberg kein Problem. Seine erstaunliche Karriere, seine Handverletzung aus Afrika und sein ungeheurer Mut brachten ihm allgemeine Anerkennung und Respekt. Schließlich gelang es Stauffenberg und Haeften um 13:15 mit dem Flugzeug nach Berlin zu flüchten. Nach der Landung waren sie vollkommen überzeugt über den Erfolg ihrer Mission. Gen. Olbricht verkündete den Beginn der Operation Walküre. Doch der sieben Stunden dauernde Putschversuch scheiterte um Mitternacht. Graf Claus Schenk von Stauffenberg wurde sofort verhaftet und zu Tode verurteilt. Noch in der selben Nacht um 0:30 ist das Urteil ausgeführt worden.

Die von Stauffenberg gelegte Bombe zerstörte völlig den Innenraum der Besprechungsbaracke. Überall am Boden verstreut fand man Stühle, Glasscherben und Papiere, und von der massiven Tischplatte verblieb nur ein kleines Stück. An der Stelle, wo Stauffenberg die Tasche hinterließ entstand ein 1.5 Meter großes Loch.

Während des Anschlages befanden sich 24 Personen in der Baracke. Hitler stand in der Mitte und war mit dem Gesicht zu den geöffneten Fenstern gerichtet. Er war über dem Tisch gelehnt und stützte sein Gesicht mit den Händen am Tisch ab.

Die Besprechungsteilnehmer empfanden die Explosion als eine Art riesigen Windstoss, der von einem ohrenbetäubenden Knall und einer blaugelben Flame gefolgt war. Der Windstoss drückte alle Personen im Raum sofort zu Boden, niemand wurde aus dem Fenster katapultiert, wie manche Bücher berichten. Sofort danach hörte man Rufe: "Wo ist der Führer?" Es war Keitel, der sich nach dem Anschlag um Hitler sorgte. Nach kurzer Zeit fand er ihn und brachte aus dem von rauchbesetzten Raum heraus.

Prof. von Hasselbach leistete erste Hilfe und weiterhin wurde Hitler von Prof. Morell ärztlich betreut. Der Führer blutete aus dem rechten Ellbogen doch seine Gelenke waren in Ordnung. Es wurden keine Schäden seiner Hörorgane festgestellt, obwohl sein Trommelfell beschädigt war. Der Führer war äußerst aufgeregt und meinte, er habe schon immer gewusst, dass es in seinem Offizierskreis einen Verräter gab. Der Führer erholte sich sehr schnell und schon drei Stunden später empfing er Mussolini am Bahnhof der Wolfsschanze. Der Besuch des italienischen Führers war sehr kurz und dauerte nur 2,5 Stunden.

In Folge des Attentates starben der Stenograph und drei andere Generäle. Wegen Verletzungen wie Hirnerschütterung und geplatzte Trommelfelle mussten die meisten Teilnehmer ins Karolewo Spital gebracht werden. Prof. Hasselbach übernahm die allgemeine Betreuung über diese Patienten.

Experten sind sich einig, dass die von Stauffenberg mitgebrachte Menge Sprengstoff alle Besprechungsteilnehmer getötet hätte, hätte die Besprechung in einem Betonbunker stattgefunden. Die Versammlung fand jedoch in der Baracke statt und deshalb waren die Verletzungen der Teilnehmer verhältnismäßig klein (14, Seite 476).